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Wohnung mieten ohne Mietkaution: Angebote in der Schweiz nehmen stark zu

Immer mehr Mietinserate in der Schweiz werben mit «Mieten ohne Kaution» oder einer Kollektivversicherung, bei der keine drei Monatsmieten auf einem Sperrkonto blockiert werden müssen. Der Trend ist 2026 deutlich sichtbar, doch «ohne Mietkaution» kann sehr unterschiedliche Modelle bedeuten – und nicht jede Variante ist für Mieter kostenlos.

Autor: Nikita von Niederhäuser, Immobilienexperte UrbanHome Aktualisiert am: Lesezeit: ca. 14 Minuten

Kurz erklärt

Wohnungen ohne klassisches Mietzinsdepot werden 2026 in Schweizer Inseraten deutlich sichtbarer. Bei Regimo werden zahlreiche Objekte ausdrücklich mit «Mieten ohne Kaution» angeboten; bei ausgewählten Liegenschaften übernimmt eine von der Eigentümerin bezahlte Mietkautions-Kollektivversicherung die Sicherheit.[3]

Wichtig: Es gibt keine amtliche schweizweite Statistik, die den Anstieg kautionsfreier Wohnungen als Prozentwert misst. «Ohne Mietkaution» kann zudem entweder wirklich ohne Kosten für die Mieterschaft funktionieren oder lediglich bedeuten, dass statt eines Bankdepots eine kostenpflichtige Mietkautionsversicherung verwendet wird.

Warum werden Wohnungen ohne Mietkaution in der Schweiz häufiger sichtbar?

Die klassische Mietkaution bindet beim Einzug viel Liquidität. Bei einer Wohnung mit CHF 2’000 Monatsmiete können bis zu drei Monatsmieten als Sicherheit verlangt werden. Gleichzeitig fallen häufig die erste Miete, Umzug, Reinigung, Möbel und eventuell eine Doppelbelastung mit der alten Wohnung an.

Für Vermieter und institutionelle Eigentümer wird ein kautionsfreies Angebot deshalb zu einem Vermarktungsmerkmal. Aktuelle Inserate zeigen, dass «Mieten ohne Kaution» direkt in Wohnungstiteln und Vermietungskampagnen auftaucht.

Wie stark ist der Anstieg?

Eine offizielle Schweizer Statistik über die Zahl kautionsfreier Mietverträge gibt es nicht. Sichtbar ist aber eine breitere Anwendung: von individuellen Versicherungsprodukten bis zu Kollektivlösungen für ganze Liegenschaften und Neubauprojekte.

«Ohne Mietkaution» ist nicht immer dasselbe: drei Modelle

ModellWas passiert?Kosten für MieterLiquidität
Klassisches SperrkontoBis zu drei Monatsmieten werden auf einem Konto auf den Namen der Mieterschaft blockiert.Keine laufende Versicherungsprämie; Bankgebühren möglich.Kapital ist blockiert.
Individuelle MietkautionsversicherungEine Versicherung garantiert den Kautionsbetrag gegenüber dem Vermieter.In der Regel jährliche Prämie; nicht rückzahlbar.Kein grosser Betrag wird blockiert.
Eigentümerfinanzierte KollektivversicherungDie Eigentümerschaft versichert ausgewählte Mietverhältnisse kollektiv.Bei aktuellen Regimo-Modellen trägt die Eigentümerin die Prämie.Kein persönliches Depot erforderlich.

Ein Inserat «ohne Depot» kann finanziell sehr attraktiv sein, muss aber nicht automatisch kostenlos sein.

Was sagt das Schweizer Mietrecht zur Mietkaution?

Art. 257e OR regelt Sicherheiten der Mieterschaft. Wird bei Wohnräumen eine Sicherheit in Geld oder Wertpapieren verlangt, darf sie höchstens drei Monatsmietzinse betragen. Geld muss bei einer Bank auf einem Sparkonto oder Depot hinterlegt werden, das auf den Namen der Mieterschaft lautet.[1]

Eine Mietkaution ist aber nicht automatisch Bestandteil jedes Mietverhältnisses. Der Mieterinnen- und Mieterverband hält fest, dass ein Mietzinsdepot geschuldet ist, wenn es im Mietvertrag vereinbart wurde.[2]

Damit ist eine Wohnung ohne klassisches Depot rechtlich grundsätzlich möglich. Entscheidend ist, welche Sicherheit im konkreten Vertrag vereinbart wird – oder ob die Vermieterschaft darauf verzichtet.

Aktuelle Beispiele: Wo gibt es 2026 «Mieten ohne Kaution»?

Regimo: ausgewählte Objekte

Regimo erklärt, dass bei ausgewählten bewirtschafteten Objekten keine drei Monatsmieten auf einem Sperrkonto hinterlegt werden müssen. Die Eigentümerin schliesst eine Kollektivversicherung ab und trägt bei diesem Modell die Versicherungsprämie.[3]

Aktuelle Regimo-Zürich-Inserate zeigen «Mieten ohne Kaution» unter anderem in Regensdorf, Bassersdorf, Zürich, Winterthur und Kloten.[4]

Chur und Bern

Aktuelle Inserate in Chur werben mit «Mieten ohne Kaution» und nennen einen AXA-Kollektivvertrag.[5]

Beim Hochhuus Bern wird für den Erstbezug 2026 ebenfalls mit einer Mietkautions-Kollektivversicherung und dem Wegfall der klassischen Sperrkaution geworben.[6]

Vorteile einer Wohnung ohne klassische Mietkaution

  • Mehr Liquidität beim Einzug: Bis zu drei Monatsmieten müssen nicht zusätzlich blockiert werden.
  • Weniger Doppelbelastung: Hilfreich, wenn das Depot der alten Wohnung noch nicht freigegeben wurde.
  • Mehr Budget für den Umzug: Geld bleibt für Umzug, Reinigung, Möbel oder erste Miete verfügbar.
  • Einfachere Administration: Bei Kollektivmodellen wird die Sicherheit teilweise automatisch eingerichtet.
  • Attraktiver für Wohnungssuchende: Bei vergleichbaren Wohnungen kann das den Einzug finanziell erleichtern.

Wo liegen die Kosten und Risiken?

«Ohne Mietkaution» darf nicht mit «ohne finanzielle Verpflichtung» verwechselt werden.

Individuelle Versicherung

Die Mieterschaft bezahlt wiederkehrende Prämien. Diese werden am Ende des Mietverhältnisses nicht zurückerstattet. Der Mieterinnen- und Mieterverband weist deshalb auf die langfristigen Kosten hin.[2]

Kollektivversicherung

Ist die Prämie vom Eigentümer bezahlt, entfällt diese laufende Belastung. Trotzdem bleibt die Mieterschaft für berechtigte Schäden, offene Mieten oder andere Forderungen verantwortlich.

Keine Kaution bedeutet nicht: keine Haftung

Eine Mietkautionsversicherung ist keine Haftpflichtversicherung. Bezahlt der Versicherer dem Vermieter eine berechtigte Forderung, kann der Betrag je nach Vertragsmodell von der Mieterschaft zurückgefordert werden. Regimo weist ausdrücklich darauf hin, dass verursachte Schäden weiterhin von der Mieterschaft getragen werden müssen.[3]

Eine private Haftpflichtversicherung mit ausreichender Deckung für Mieterschäden bleibt deshalb wichtig.

Wohnung ohne Mietkaution: Welche Rolle spielt die Bonität?

Kautionsfrei bedeutet nicht automatisch weniger Prüfung. Beim Regimo-Modell wird eine einwandfreie Bonität verlangt. Als Nachweis nennt Regimo ein Bonitätszertifikat oder einen aktuellen Betreibungsregisterauszug.[3]

Auch Anbieter individueller Mietkautionsversicherungen führen Bonitätsprüfungen durch. SwissCaution nennt eine positive Bonitätsbewertung als Voraussetzung für bestimmte Anträge.[7]

Bankdepot oder Wohnung ohne Mietkaution: Was ist besser?

SituationOft sinnvollerWarum?
Genügend Ersparnisse und lange MietdauerKlassisches SperrkontoKeine laufenden Versicherungsprämien; Depot bleibt eigenes Vermögen.
Knappes UmzugsbudgetKautionsfreie Lösung prüfenMehr Liquidität für Einzug und Umzug.
Eigentümer bezahlt KollektivversicherungFinanziell besonders interessantKein blockiertes Kapital und keine eigene Prämie.
Mieter zahlt jahrelang VersicherungsprämieGesamtkosten vergleichenPrämien sind laufende Kosten und werden nicht zurückbezahlt.

Schritt für Schritt: Angebot «ohne Mietkaution» richtig prüfen

  1. Prüfen, ob wirklich «ohne Kaution» oder nur «Mietkautionsversicherung möglich» steht.
  2. Mietvertrag lesen: Ist eine Sicherheit vereinbart und in welcher Form?
  3. Klären, wer eine Versicherungsprämie bezahlt.
  4. Versicherer beziehungsweise Risikoträger prüfen.
  5. Jährliche Prämien über eine realistische Mietdauer mit dem Bankdepot vergleichen.
  6. Bonitätsanforderungen und Unterlagen klären.
  7. Regress- und Haftungsregeln lesen.
  8. Keine Kaution oder Prämie an unbekannte Personen aufgrund eines Inserats überweisen.

Checkliste vor der Unterschrift

Kosten

Sicherheit

Quellen und Datenstand

  1. Fedlex: Obligationenrecht, Art. 257e OR
  2. Mieterinnen- und Mieterverband: Mietzinsdepot / Kaution
  3. Regimo: Mieten ohne Kaution / Kollektivversicherung
  4. Regimo Zürich: aktuelle Mietangebote
  5. ImmoScout24: Chur-Angebote mit AXA-Kollektivvertrag
  6. Hochhuus Bern: Kollektivversicherung für Erstbezug 2026
  7. SwissCaution: Voraussetzungen und Wechsel vom Bankdepot

Rechts- und Datenstand geprüft am 25. August 2026. Inserate und Konditionen können sich laufend ändern. Eine amtliche nationale Statistik zur Zahl kautionsfreier Mietwohnungen existiert derzeit nicht.

Häufige Fragen zu Wohnungen ohne Mietkaution

Ja. Eine Mietkaution ist nicht automatisch gesetzlich vorgeschrieben; sie wird in der Praxis meist im Mietvertrag vereinbart. Vermieter können auf ein klassisches Depot verzichten oder eine andere Sicherheitslösung anbieten.

Bei Wohnräumen darf eine als Geld oder Wertpapier geleistete Sicherheit höchstens drei Monatsmietzinse betragen. Wird Geld hinterlegt, muss es auf einem Bankkonto oder Depot auf den Namen der Mieterschaft liegen.

Das kann bedeuten, dass der Vermieter vollständig auf eine Kaution verzichtet, dass eine vom Eigentümer bezahlte Kollektivversicherung die Sicherheit übernimmt oder dass die Mieterschaft statt eines Bankdepots eine jährliche Prämie für eine Mietkautionsversicherung bezahlt.

Nein. Bei einer Mietkautionsversicherung wird zwar kein Geld auf einem Sperrkonto blockiert, die Mieterschaft zahlt aber in der Regel eine wiederkehrende Prämie und bleibt für berechtigte Forderungen verantwortlich.

Bei diesem Modell versichert die Eigentümerschaft mehrere Mietverhältnisse kollektiv. Bei aktuellen Regimo-Angeboten trägt die Eigentümerin die Versicherungsprämie, während die Mieterschaft kein eigenes Depot hinterlegen muss.

Beim Umzug fallen oft gleichzeitig erste Miete, Umzug, Reinigung und neue Möbel an. Wenn zusätzlich bis zu drei Monatsmieten blockiert werden, entsteht ein hoher Liquiditätsbedarf.

Doch. Der Verzicht auf ein Bankdepot ist keine Haftungsbefreiung. Bei berechtigten Forderungen können Vermieter oder Versicherer den geschuldeten Betrag weiterhin verlangen.

Das hängt vom Angebot ab. Bei den von Regimo beschriebenen kautionsfreien Objekten wird eine einwandfreie Bonität verlangt.

Nicht einseitig. Die Vermieterschaft muss die alternative Sicherheit akzeptieren, bevor ein bestehendes Bankdepot aufgelöst wird.

Häufig ja, wenn die nötige Liquidität vorhanden ist: Das Geld bleibt Eigentum der Mieterschaft und wird nach Freigabe zurückbezahlt. Versicherungsprämien werden dagegen nicht zurückerstattet.

Der Trend ist 2026 in aktuellen Inseraten und neuen Kollektivmodellen klar sichtbar. Eine amtliche schweizweite Zeitreihe zur Zahl kautionsfreier Wohnungen existiert jedoch nicht.

Achten Sie auf Begriffe wie «Mieten ohne Kaution», «ohne Depot», «Kollektivversicherung» oder «Mietkautionsgarantie» und prüfen Sie die Vertragsbedingungen genau.

Zusammenfassung

Wohnungen ohne klassisches Mietzinsdepot sind 2026 in der Schweiz deutlich sichtbarer geworden. Besonders interessant sind Eigentümermodelle mit Kollektivversicherung, bei denen die Mieterschaft weder Kapital blockiert noch selbst eine Versicherungsprämie bezahlt.

Eine individuelle Mietkautionsversicherung ist dagegen vor allem eine Liquiditätslösung: Sie ersetzt das Bankdepot, verursacht aber laufende Kosten. Unabhängig vom Modell bleiben Mieter für berechtigte Forderungen und Schäden verantwortlich.

Für Wohnungssuchende lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf das Inserat: «ohne Kaution», «ohne Depot», «Kollektivversicherung» und «Mietkautionsversicherung» können finanziell sehr unterschiedlich sein.

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